Web 2.0 – Das Mitmach-Web verlagert sich in soziale Netzwerke
Der Mitmachgedanke des Web 2.0 fokussiert sich immer stärker auf soziale Netzwerke so das Ergebnis der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010. Soziale Netzwerke wie z.B. Facebook bilden für die Nutzer ein Kommunikationsmedium, indem man aktiv partizipiert durch posten von Information, chatten usw. Der steigenden Zuspruch in Zahlen: regelmäßig, d.h. zumindest einmal wöchentlich, nutzen aktuell 34% private soziale Netzwerke gegenüber 24% im Vorjahr. Somit ist die regelmäßige Nutzung sozialer Netzwerke attraktiver geworden.
In der Folge sinkt die aktive Erstellung und Teilhabe an anderen Web 2.0-Angeboten wie z.B. Blogs. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2010 geben 29% der befragten Nutzer an früher selbst einen Blog betrieben zu haben, während hingegen nur noch 11% der Befragten aktuell einen Blog führen.
Dennoch werden die Möglichkeiten des Web 2.0 genutzt – allerdings eher passiv, d.h. User generierte Inhalte werden abgefragt. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2010, die daher vom „Abrufmedium Web 2.0“ spricht, nutzen beispielsweise 97% Wikipedia zum Abruf von Informationen und lediglich 5% der Nutzer beteiligen sich aktiv. Ebenso verhält es sich bei Videoportalen, in denen 92% der Nutzer Videos abrufen, jedoch nur 7% Inhalte beisteuern. Bei Blogs fällt sowohl die aktive Erstellung wie bereits erwähnt als auch der passive Konsum gering aus (7% nutzen Blogs zumindest selten). Die Nutzung beschränkt sich zumeist auf den Informationsabruf (60% der Blognutzer).
Allgemein hat sich das Mitmach-Potential innerhalb eines Jahres halbiert: 2009 waren noch 13% aller Onliner sehr interessiert sich im Web einzubringen, während es aktuell nur noch 7% dieses Interesse aufzeigen. Damit ist die ohnehin bereits kleine Gruppe der aktiven Gestalter des Webs nochmals geschrumpft. Interessant ist dabei, dass vor allem unter den vermutet aktivsten „Mitmachern“, nämlich der Altersgruppe der 14 bis 19-Jährigen die Euphorie ebenfalls stark abgeflaut ist. In dieser Altersgruppe ist das Mitmach-Interesse von ehemals 49% in 2009 auf 35% in 2010 stark gefallen.
Die Zahlen zeigen, dass sich das Mitmach-Web nach der Phase des Aufschwungs nun leicht konsolidiert bzw. sich auf neue Web 2.0-Angebote verlagert. Was die das Web 2.0 konstituierenden Funktionalitäten der „Masse“ ermöglicht haben und von ihr immer stärker wenn auch „nur“ passiv genutzt werden, sind Web 2.0-Angebote wie z.B. Wissens- und Videoplattformen. Die „Partizipation der Masse” verlagert sich hingegen zunehmend in die privaten sozialen Netzwerke, wo Nutzer dazu bereit sind, sich aktiv einzubringen. Und die Early Adopters des Web 2.0 wenden sich mit ihrer Aufmerksamkeit und ihrem Content ebenfalls verstärkt sozialen Netzwerken zu. Damit bilden private soziale Netzwerke relevante digitale Touch Points, um mit Konsumenten aktiv in Dialog zu treten.
Weitere Details können Sie der ARD-/ZDF Onlinestudie 2010 entnehmen: www.media-perspektiven.de